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Kreisky: „Blut schwitzen“ beim Sitzkonzert

„Was für ein Trubel/Trouble: Zwei Mal wöchentlich im Proberaum Blut schwitzen, damit wir auf Tour ein lässiges Set mit vielen frischen Stücken und einigen seltener gespielten Nuggets präsentieren können.“ Das was Franz Adrian Wenzl, der Frontman der für den Amadeus nominierten Band „Kreisky“ in seinem Online-Tagebuch beschreibt, hat sich für das Publikum ausgezahlt.

Der Wiener Stadtsaal ist zwar nicht unbedingt die perfekte Location für ein Konzert der Rock-Rabauken – denn im bestuhlten Raum ist ein Tänzchen eher schwierig. Wobei das Wiener Publikum am Montag Abend recht müde war und sich lieber im Sitzen beschallen ließ. „Ihr könnt ja aufbegehren und aufstehen – aber ich weiß dass es schwierig ist, wenn der nächste Mensch eineinhalb Meter vor einem sitzt.“ Dieser Aufruf von Wenzl verhallte fast wirkungslos, nur einige Steher ließen sich von den Sitzen reissen.

Dabei hatte das Konzert hohes Aufspring-Potential: Wenzl sang, schrie, bearbeitete sein Keyboard. Martin Max Offenhuber spielte die schärfsten Gitarrenriffs des Neo-Austropop (darf man dieses Wort eigentlich noch verwenden?). Gregor Tischberger malträtierte sein Bass-Ruder bis es am Boden die letzten verzerrten Töne ausspuckte. Klaus Mitter gab den Takt am Schlagwerk an – mal furios hämmernd, mal sperrig verspielt. Das gebotene Menü bestand aus den besten Kreisky-Kleinoden der bisher drei Alben und einigen frischen Stücken.

Und sie granteln nach wie vor: „Du wirst es nicht glauben, aber seit du weg bist, ist mein Asthma so gut wie verschwunden. Ich atme viel freier, bin beinahe schon glücklich und mein Asthma ist de facto überwunden.“ Aber Kreisky ist nicht nur grantig, das zeigt ihre achtminütige Ballade „Menschen brauchen Liebe“ auf dem dritten Album „Trouble“ – ein Chanson, der eine Eifersuchtsgeschichte erzählt, tieftraurig, schaurig schön. Und doch mit dem Conclusio: „Was wir anzünden und wen wir anzünden – ist doch letztlich egal – Hauptsache, es brennt.“

Die Band präsentiert sich von Auftritt zu Auftritt souveräner und explosiver. Der Amadeus in der Kategorie Alternative wäre hoch verdient. Und wenn nicht, dann werden Kreisky einfach granteln. Wie im Song „Bitte, Bitte“: „Wenn ich sage, ich will niemanden sehen –  dann will ich verschissen auch niemanden sehen.“

Erschienen auf DiePresse.com

 

 

Legenden am Karlsplatz: „Es gibt kan Gott“, nur Göttinnen

Die Ernst Molden Allstar Band präsentierte beim Popfest Wien Legenden: Maria Bill, Willi Resetarits, Peter Henisch, Sigi Maron, Robert Räudig.

Den Song zum Sonntag spielte dabei Sigi Maron: „Es gibt kan Gott“. Räudig von „Chuzpe“ ließ Wiener New Wave aufleben und schickte sich an Marons Analyse zu widerlegen: Göttinnen würde es sehr wohl geben. Peter Henisch durfte das Wort „Tschuschen“ in den Mund nehmen – und alle verstanden den Zusammenhang und Kontext. Ganz groß: Maria Bill und Willi Resetarits im Duett bei „I mecht so gern landen„. Herr Resetarits hat sogar eine Nummer aus seiner Ostbahn-Zeit angestimmt, die für viele eine Hymne ist: „A Schritt vire, zwa Schritt zruck.“ Vielleicht sollt er sich seine Kotletten aber wieder abrasieren, er muss ja Ende August beim Ostbahn XI-Gedächtniskonzert wieder aussehen wie ein junger Rockstar.

Einziges Fragezeichen beim Auftritt der Legenden: Was machte denn Nino aus Wien auf der Bühne – und mit welchen Sachen war er bitte zugedröhnt? Einfach ein Muttertagsräuschchen.

Den meisten Applaus gab es aber, als alle Legenden gemeinsam den alten Danzer-Hodern „Ruaf mi ned an“ anstimmten. Gänsehaut. Auch einer der ganz Großen.

Ich schließe trotzdem mit Zeilen von Maria Bill:

„Vorhin no hob i des net g´spiat
hob glaubt i könnt die Welt glei griagn
jetzt spukt do irgendwas großes um mi
und i bin mitten drin a winzige Fliagn“

Ich bin ein Kite-Surfer – und ein Podersdorfer

Summeropening und Seaside-Festival in Podersdorf. In wenige Worte zusammengefasst: Windig! Bass-lastig – bin jetzt wohl noch ein bisschen tauber als vorher. Aber das kommt davon, wenn man direkt vor der Soundanlage abhängt und von dort Fotos schießt. Und wofür? Für euch!

Podersdorf ist ja ein ganz eigener Ort am Neusiedler See. Immer wieder Party-Meile. Diesmal mit den besten Kite-Surfern der Welt. Ziemlich spektakular, denen zuzuschauen, wie sie mit ihren Boards in die Luft abheben. Und am Abend mit netten Konzerten im „Sonnendeck“. Die Überraschung des Abends dabei waren wohl „Millions of Dreads“, die mit ihrem Ragga-Sound alles perfekt im Griff hatten. Immer wieder tiefe Bässe aus dem Bauch und für unseren Bauch von Bauchklang. Wobei. Das „Vocal-Groove“-Konzept ist genial, allerdings wirkt es jetzt schön langsam etwas „abgelutscht“, denn – in welche Richtung sollte sich die Band auch entwickeln? Andere Instrumente als ihr Zwerchfell wollen sie ja nicht verwenden. Und dann traten auch noch Texta auf: Oberösterreichischer Hiphop. Tja, ganz nett. Hättiwari – diesmal die Anlage betreffend: Hätt i die Soundanlage besser eingestellt, waratn die Texte zu verstehen gwesen. War leider nicht optimal. Und sonst fragt man sich halt, wieso die jetzt 40-jährigen noch immer so wie vor 15 Jahren über die Bühne hanseln. Schaut jetzt nach viel Kritik aus, im Großen und Ganzen wars aber wirklich fein!

A propos fein: Podersdorf steht für mich immer noch für eines der legendärsten Konzerte von Kurt Ostbahn, ich glaube damals noch mit der Chefpartie. Am nächsten Tag hat Podersdorf ausgesehen wie ein Schlachtfeld, und wir hatten uns alle verloren – damals hatte noch keiner ein Handy. Gefunden haben wir uns alle wieder – beim Dorfwirt. Perfekt. Genauso wie die perfekte Welle heute für die Kite-Surfer.

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>>Und hier gibts das ganze nochmal zum nachlesen und in großen Bildern

i mog an beda, an bedasü

Attwenger live im Wiener WUK: Die Herren Binder und Falkner haben wieder eindrucksvoll bewiesen, dass der Punk auch vor dem Akkordeon nicht halt macht. Speedlandler, Hip-Hop, Quetschen-Punk, Rock’n’Roll, Drum’n’Accordeon. „Flux“ heißt das neue Album und es ist flux zum Erfolg geworden. Der Opener des Albums – „Shakin My Brain“ – ist jetzt schon ein Klassiker: „ans is ma kloa you are shakin my brain, vo dem brauchma goa ned rehn“. Eindrucksvoll der Zwischenteil der Nummer mit „aint no sunshine wen she’s gone“, um abzuschließen mit dem ruf nach bedasü. Das Publikum im WUK ging bei dieser Nummer ab wie eine Horde Rockabillys – hochgehalten wurden einige pedasü-Sträuße und dann auf die Bühne geschmissen. Was Falkner folgendermaßen kommentierte: „Jetzt werma scho mit bedasü beschossen“. Jawoll meine Herren. Wenn das passiert, hat man es geschafft! Shakin my brain!

Tipp: Flux gibts live auch noch im Flex am nächsten Freitag zu bewundern.

Wann de Musik vuabei is

Wann de Musik vuabei is
Gibts nimma vü zum Sogn
Do steht ma ganz allaa do
Und fangt se an zum Frogn:

Hob i kriagt wos i woin hob
Oda hob i kriagt wos i vadien
Wü i des wos i kriagt hob
Oda wü i ganz woanders hin

Wann de Musik vuabei is
Is ois wos zum Sogn gibt gsogt
Dann steh i do im Finstan
Allaa mit ois wos mi obetrogt

Wü i des auf wos i gspoat hob
Oda is des genau des wos mi stiat
Wü i nua no zfriedn sei und oid wean
Oda gibts no wos des mi so richtig pockt und riat

Wann de Musik vuabei is
Wü i de Engeln singa hean
Wann de Musik vuabei is
Wü i vua Freid so richtig rean
Wann de Musik vuabei is
Wü i tanzn ois wia bled
Wann de Musik vuabei is
Wü i schrein so laut wias geht
Wann de Musik vuabei is
Wü i gspian, daß i mi gspia
Wann de Musik vuabei is
Wü i des ois zsamm nua mit dia
Wann de Musik vuabei is

(c) Kurt Ostbahn

Hier nachzuhören

Live aus dem Wiener Burgtheater, wo es am 31. 1. 2003 hieß: „Kurt Ostbahn trifft Sivan Perwer“. Im (mehr als) ausverkauften Haus am Ring trafen Kurtologinnen & Kurtologen auf die Fans des kurdischen Superstars – und dann wurde ein Fest gefeiert und zwischen den Sitzreihen getanzt.

Burgtheater: Element of Crime portioniert

Das zweite Konzert der Burgtheater-Konzertschiene „Burg in Concert“ wurde zum wahren Höhepunkt: „Element of Crime und Freunde“ – so war der Abend angekündigt. Wer dabei an eine Jamsession von miteinander befreundeten Gruppen glaubte, irrte jedoch gewaltig. Ganz im Gegenteil durften die „Freunde“ der Band um Sven Regener zwischen den portionierten Auftritten der routinierten Band spielen – und es wirkte so gar nicht, als ob alle Bands wirklich befreundet wären. Bei der Auswahl der Band dürfte der ORF-Jugendsender FM4, der das Event live übertrug, auch einiges mitgeredet haben. Denn wer kam nach einem furiosen ersten Teil der „Hauptband“ auf die Bühne: Florian Horvath. Ja, richtig gelesen. Der von FM4 seit Jahren gehypte Newcomer, der es leider noch immer verabsäumt hat, Gesangsunterricht zu nehmen. Wer waren die anderen „Freunde“? Das Grazer Trio „The Base“ mit einem explosiven Auftritt des Sängers mit der sonoren Stimme, unter anderem unterstützt von Michael Ostrowski, der einen Song aus seinem Film „Contact High“ zum besten gab und dafür vom Publikum bejubelt wurde. Auch unter den Gästen: Maike Rosa Vogel aus Berlin, eine Folksängerin, die nach eigenen Angaben das erste mal in Wien war. Und: „Garish“, die ihre Songs ganz aufs Burgtheater abgestimmt hatten – ruhige Songs mit Gefühl und mehrstimmigen Chören.

Jetzt aber endlich zu den Helden des Abends: Das Konzert von Element of Crime im Burgtheater war ja innerhalb von knapp einer Stunde restlos ausverkauft. Und die Band konnte das Publikum überzeugen. Sie vermitteln Melancholie, sie vermitteln Romantik, sie vermitteln immer auch ein bisschen Nostalgie und Schwermut. Und das ganze ausgeklügelt dargeboten mit behutsamen Gitarrenklängen, weichen Geigensätzen und schmetternder Trompete.

Eröffnet wurde das Konzert mit „Kopf aus dem Fenster“ vom letzten Album. Gefolgt vom gefühlvollen Song und Top-Anwärter auf einen Klassiker mit dem Namen „Am Ende denk ich immer nur an dich“. Im ersten Teil schwenkte die Band noch vom beschwingten Opener zur Ballade, im Gegensatz dazu wirkte dann jeder neue Akt der Mannen um Sven Regener wie durchkomponiert: Ein beschwingter Akt mit schnellen Gitarrenriffes und röhrender Trompete, auf den jeweiligen Auftritt von „Freunden“ folgte dann ein gefühlvoller Akt.

In den Texten von Sven Regener kann man sich sehr oft wiedererkennen. Es geht oft um Verlorenes, um die Suche nach etwas Verlorenem, es geht oft um Liebeserklärungen, die zu spät kommen, die sich nur mehr in einem Meer von Melancholie wiederfinden. Denn: „Am Ende denk ich immer nur an dich.“ In diesen Texten fühlt sich der Wiener natürlich wohl. Und man fühlt sich gern angesprochen, wenn Regener singt: „Da wo deine Füße stehen, ist der Mittelpunkt der Welt.“ Weil das ist ja noch immer Wien.

Vielleicht der Höhepunkt des Konzerts: Ein Cover von Bob Dylans „It’s all over now, Baby Blue“ – denn dieser Song bringt die melancholische Grundstimmung von Element of Crime auf den Punkt. Zum Abschluss mit „Delmenhorst“ rief Sven Regener das Publikum auf, sich in Tanzposition zu begeben und die Plüschsesseln des altehrwürdigen Burgtheaters zu verlassen. Nach lautstarkem Jubel und Standing Ovations folgte noch eine überraschende Zugabe: „You only tell me you love when you’re drunk“ von den nicht gerade artverwandten Pet Shop Boys. Ein würdiger Konzert-Abschluss.

Tricky, der Liebesbedürftige

Tricky live in der Wiener Arena mit seiner Mixed Race Tour: Wummernder Sound, harte Gitarren und ein Oben-Ohne-Tricky, den man am besten mit dem Attribut „coole Sau“ beschreiben kann. Lässig beim Intro dem Publikum den Rücken zugewandt, kettenrauchend und in das Mikro hineinhauchend. Stimmengewaltig seine Sängerin Franky Riley, die nicht nur bei „Puppy Toy“ (siehe Video unten) den Refrain laut hinausschmetterte, sondern bei „UK Jamaican“ vom neuen Album ihr Rap-Talent unter Beweis stellen konnte.

Der Meister selbst war seinen unverwechselbaren monotonen Sprechgesang in die Menge, doch von Track zu Track wachte er mehr auf – stemmte das Mikro an sein Herz und holte Leute auf die Bühne: Und nicht nur einige fesche Mädels, sondern die ganze Bühne wurde mit Konzertbesuchern vollgeräumt (wobei einige ein bisschen verloren wirkten mit den Handy-Kameras im Anschlag). Hier fetzte man dann eine punkige Version von „Ace of Space“ auf die Bühne.

Und Tricky spielte überall mit, ließ sich umarmen, ließ sich mit seinen Fans fotografieren. Später hüpfte er selbst von der Bühne in die Menge, um seine Liebesbedürftigkeit zu befriedigen. Die Zurückgezogenheit der Popstars ist tot, es lebe der Anfass-Star.

Wiesen groovt

Jamiroquai, Gotan Project, Gil Scott Heron, Incognito beim Nova Jazz & Blues Night in Wiesen. Groovt. Funkt. Und: Interessantes Publikum. Mehr das zahlungskräftige, weil Vip-Bereich ausverkauft. Und mehr das ein bisserl ältere. Groovt. Funkt.

Tanzen, tanzen, tanzen mit Prince in Wien: „We gotta keep it sexy“

Funky sexy groovy. Mein zweites Prince-Konzert in der Stadthalle nach dem vor über 15 Jahren auf der Donauinsel. Und Roger Prince Nelson hat nichts von seiner Ausstrahlung eingebüßt. Die Bühnenshow ist minimalistischer geworden. Dafür hat sich seine Professionalität, seine Bühnenpräsenz weiterentwickelt. Funk is in the House.

„Ihr seid am besten Ort der Welt – in diesem Augenblick“, hauchte Prince gleich zu Beginn ins Mikro. Und grinste. Das Publikum in der nicht ganz ausverkauften Stadthalle stimmte lauthals zu.

Zuvor war er, kurz nach 20 Uhr und nach minutenlangem Intro seiner Band, langsam auf die Bühne geschritten, griff zur Gitarre und startete den beinahe dreistündigen Hit-Marathon gleich mit seinem größten Treffer: „Purple Rain“. Von da an gab es kein Halten mehr: Weder im Publikum, noch auf der Bühne. Prince, von nun an in permanenter Bewegung, legte mit „Let’s Go Crazy“ nach. Seine Fans folgten dieser mit Hüftschwung vorgebrachten Aufforderung.

Die geplante Setlist – in einigen Boulevardmedien waren schon vorab Versionen veröffentlicht worden – warf Prince vollkommen über den Haufen. Überraschte schon sein Einstieg mit der eigentlich nicht als Konzertbeginn auf der Hand liegenden Hymne „Purple Rain“, erfand er sich ab dem Motto-Song des Abends „Let’s go Crazy“ vollkommen neu.

Die verschiedenen Musikgenres, die er und seine hervorragende Band beherrschen, wurden in größere Blöcke geteilt. Nach 80er-Jahre Hits wie „1999“ im typischen Prince-Synthie-Stil folgten Stücke, auf denen Prince ausführliche und meisterliche Gitarren-Bluessoli ablieferte, von psychedelischen Projektionen im Stile der 70er Jahre begleitet.

Im nächsten Showteil konzentrierte sich Prince auf Soul – Höhepunkt war hier eine völlig neu als Duo interpretierte Version des Sinéad O’Connors-Hits „Nothing Compares 2U“.

Das Alter von 52 Jahren merkte man Prince Rogers Nelson dabei nie an, stets wirkte er cool, konzentriert, Herr der Lage. Er überließ für eine Umkleidepause seiner langjährigen Weggefährtin Sheila E. die Bühne – und dann ging es schneller, lauter und vor allem funkiger weiter. „We gotta keep it sexy“, lautete das Motto – hier sollte einfach nur getanzt werden. Und es wurde getanzt.

Auch auf der Bühne wurde getanzt: Prince ließ Tänzerinnen aus dem Publikum rekrutieren, die auf der Bühne mit ihm feierten, als seien sie am besten Ort der Welt. In diesem Augenblick waren sie es womöglich auch.

Insgesamt 16 Zugaben folgten: Unter anderem „Play That Funky Music“, „Controversy“, „Dance With Me In The Disco“ und eine fulminante Funk-Version von „Kiss“ – Prince kam für insgesamt fünf Zugabenblöcke wieder zurück auf die Bühne.

Die letzte dieser Zugaben kam für viele Zuschauer noch ziemlich überraschend – „Peach“ spielte er als letzte Nummer bei schon aufgedrehtem Saallicht. Viele hatten da schon die Stadthalle verlassen. Obwohl sie gerne noch stundenlang mit Prince feiern wollten. Doch ein geplanter Club-Gig fiel ins Wasser.

>>Zur Kritik von Samir H. Köck

Die Depeche Mode-Diskokugel: Dave Gahan als „Personal Jesus“

Depeche Mode live in der Wiener Stadthalle: Was bleibt über vom Konzert? Zu allererst die überdimensionierte Videowall mit integrierter Halb-Disko-Kugel. Die VJs bespielten diesen Lichtteppich äußerst prägnant mit Depeche-Mode-Astronauten über Raben bis hin zu Disko-Effekten.

Das Set von Depeche Mode wurde begonnen mit drei Nummern aus dem aktuellen Album, wobei sich „In Chains“ als Opener mit seinem symphonischen Aufwallen sehr gut anbietet. Trotzdem: Die Masse tanzte erst bei den großen Hits, und die gibt es von Depeche Mode in Hülle und Fülle. Wermutstropfen für mich: „A Question of Time“ fehlte die Power. Die Synthesizer  zu diesem Titel klangen ein wenig wie von einer Bontempi eingespielt. Oder: Wie wenn eine schlechte Band Depeche Mode nachquäkt. A propos quäken: Stimmlich ware Dave Gahan zwar öfters an der Kippe, sein Herumgewirbel konnte das aber gut verbergen.

Mitten im Konzert dann einige Songs von Martin Gore, nur mit dem Klavier begleitet. Eins davon hätte auch gereicht. Denn das eingedöste Publikum war dann nicht mehr so schnell aufzuwecken. Allerdings ganz fantastisch: Ein furioses Finale mit einer Mitgröl-Version von „Enjoy the Silence“. Und die am besten performte Nummer des Abends mit viel Rockappeal, lautem verzerrtem Gekreische und ganz eigener Live-Anmutung: „I feel You.“ Blieb zum Abschluss nichts mehr zu sagen. Auch Johnny Cash hätte wohl diesen Abschluss gewählt: „Personal Jesus“. Die Kathedrale der Depechies erstarrte in Ehrfurcht.

Noch anzumerken: Entscheidende Soundsteigerung bei den letzen Songs, da wars schon fast ein bisschen zu laut und manche sind wohl nicht allein heimgegangen, nein, der Tinnitus hat sie begleitet. Und über die Qualität des Sounds in der Stadthalle braucht man sowieso nichts schreiben. Der ist einfach nicht auf der Höhe der Zeit. Aber wenigstens besser als im Gasometer.

Wer eine Kritik lesen will von einem eingefleischten Depechie, findet hier Nahrung.

Und wer Bilder sucht – von der schlechten Handy-Kamera – wird hier unten fündig und klicke für Vergrößerung drauf: