Schlagwort-Archive: Krone

Ein Kampagnen-Stück: „Mieser Abschaum aus der Gosse“

Die Vorgänge um Demonstrationen rund um den „Akademikerball“ genannten Event (wieso heißt der eigentlich so?  – nicht jeder Akademiker dürfte Affinität zu diesem Ball zeigen) haben zu einem sehr vorhersehbarem Echo in den Medien geführt. Allerdings: Eine offene Diskussion um (friedliche) Demonstranten, Gewaltbereitschaft, das Eingreifen der Polizei in Grundrechte und der Freiheit, einen Ball besuchen zu dürfen, ist zu diesem Thema noch nie möglich gewesen – und wird es wohl auch nie sein. Auch wir scheitern hier und kümmern uns in diesem Beitrag um die Nachwirkungen. Kollegin Ulrike Weiser hat die Stimmung(mache) rund um den Akademikerball in ihrem Leitartikel in der „Presse am Sonntag“ gut beschrieben:

Es gibt Debatten, die kann man nur verlieren. Im Fall des Akademikerballs, weil die Spielregeln nichts anderes zulassen: Demnach ist jeder, der den Ball verteidigt, (extrem) „rechts“, wer ihn kritisiert (extrem) „links“, und wer sagt, dass man weder den einen noch den anderen die Bühne der Aufmerksamkeit bieten solle, bekommt auch sein Fett ab – als Beschwichtiger. Kurz: Mehr als Scheitern mit Anspruch war bei diesen Debatten bisher nicht drin.

gesDSC01260

Als eindeutiger (unmoralischer) Sieger hat sich am Sonntag die „Krone“ hervorgetan. Unisono schmetterten die drei „Weisen“ Michael Jeannée, Peter Gnam und Kurt Seinitz ihre Abrechnungen mit dem „radikalen, niederträchitgen, elenden feigen Mobs und miesen Abschaums aus der Gosse“  (© Jeannée) in den Rachen der „Krone“-Leser. Die in letzter Zeit ein bisschen ins Wanken gekommene „Krone“ hat damit wieder in ihr Lieblings-Metier zurückgefunden: Dem Kampagnen-Journalismus. Quer durch das ganze Blatt wird kampagnisiert, für Gegenmeinung ist keine Platz – wieso auch? Das dynamische Trio der „Krone“ hat immer recht – und wer noch nicht davon überzeugt ist, soll jetzt davon überzeugt werden. Und das sollte leicht sein, da sich „die Bundeshauptstadt im Würgegriff von Kriminellen“ (© Gnam) befindet. Doch die drei Musketiere schwingen jetzt gemeinsam ihre Säbel, um uns alle zu retten.

Nur einmal, im Kommentar von Peter Gnam, glaubt man kurz, die von der „Krone“ gern hervorgehobene und im Logo beschriebene Unabhängigkeit würde sich durch die Zeilen fressen. Doch schon im nächsten Satz erkennt man, dass die Krone wohl nur vom „linken Lager“ unabhängig ist: „Und wie immer in solchen Fällen praktiziert, wurden die Gewalttäter zu Opfern gemacht. (…) Die Polizei trage Schuld, dass Freitagabend in Wien (auch) Blut geflossen ist“, so Peter Gnam.

Fazit: Die Auseinandersetzungen rund um den Akademikerball haben wohl einen politischen und einen medialen Sieger:

Auf der einen Seite die FPÖ und Strache. Der Satire-Blog tagespresse.at kann sich eigentlich zur Ruhe setzen: Die Satire-Schlagzeilen wurden von der Wirklichkeit überholt: „Strache bedankt sich bei allen 300 Randalierern“. Wohl ein Effekt der Ereignisse am Freitag Abend: Durch die oft geübte Opfer-Täter-Verdrehung sind dem Blau-Mann wohl einige Stimmen zugeflogen. Zeilen wie jene oben von Gnam zitierte hat man auch immer wieder aus dem Mund von Heinz-Christian Strache gehört – ein Zufall?

Denn: Der zweite Sieger ist die „Krone“. Beim Thema „Linkschaoten“ hat man jahrzehntelange Erfahrung, jetzt kann man mit diesem Kernthema wieder die Leserschaft bedienen. Ohne Gegenmeinung. Denn die Meinung wird im Pressehaus in Wien-Heiligenstadt gemacht. Und das für ALLE Österreicher.

gesDSC01256

gesDSC01257

gesDSC01258

Die „Krone“ und die „Südländer“

Allzu lang ist die Aufregung um einen rassistischen Absatz in einem „Heute“-Artikel noch gar nicht her – wie jetzt bekannt wurde, springt jetzt auch wieder die „Krone“ in die pauschalisierend verhetzende Sprache. In der Kronen-Zeitung, Vorarlberg-Ausgabe, vom 23. Dezember 2012 wird neben Bildern eines Taxiüberfalls vermerkt: „…der Südländer (einer von Hunderten kriminellen Ausländern, die unsere Heimat unsicher machen)…“

Autsch. Gehts noch, liebe „Krone“?

Im ersten Moment denkt man vielleicht noch: Das ist ja gar nicht so schlimm wie der Absatz im „Heute“-Artikel. Um dann umgehend aufzuwachen und solche Vergleiche in Frage zu stellen – denn  ist die Sprache in Medien schon so verludert, dass rassistischen Pauschalisierungen einfach hingenommen werden? Nein. So etwas darf nicht geduldet werden.

Danke an Philipp Metzler für den Hinweis auf Facebook.

kronnen

Sandy: Die perfekte Boulevard-Welle

Mega-Welle

Monster-Hurrikan

Superstorm

Wheather Freakout

Frankenstorm

Land unter

Ich sag einfach #Sandy. Berichterstattung darüber muss sein, es ist auch ein relativ großer und wuchtiger Sturm. Aber: Ein bisschen weniger Aufgeregtheit und Effekthascherei tät uns allen sehr gut. Für eine Abrüstung der Worte. Danke.

Die Hymne, die Krone und ein Wolf namens Martin

Wolf Martin ist tot. Lange Jahre war er täglich in der „Krone“ mit einem Reim vertreten, erst vor kurzem zog er sich zurück. Kein Nachruf, sondern eine Wiederveröffentlichung aus meinem Archiv vom 27. Jänner 2010. 

Wolf Martin, der begnadete Dichter aus der Krone hat sich nun also auch zum Streit um die Bundeshymne zu Wort gemeldet. Natürlich in Reimform. „In den Wind gereimt“. Und natürlich hat er wie es so seine (Un-)Art ist wieder Revisionistisches und Hinhacken gegen die sogenannten „Gutmenschen“ hineinverpackt. Wie man jetzt um die Diskussion steht, ob in der österreichischen Nationalhymne neben den Söhnen auch die Töchter vorkommen sollen, steht – das ist in diesem Fall irrelevant.

Ganz interessant dieses mal allerdings: Erstmals hat er unter seinem Erguss als sozusagen Kleingedrucktes eine „Anmerkung“ abgedruckt, dass er das Gereimte gar nicht ernst meint. Darüber muss man jetzt schon nachdenken: Er meint also alles gar nicht so, wenn er seinen Hass auf alles was er nicht mag, loswird. Meint er es auch gar nicht so, wenn er am Geburtstag des Führers regelmäßig jedes Jahr ein Hohelied auf Adolf Hitler schreibt? Natürlich verklausuliert.

Auch die Anmerkung beim Hymnen-Gedicht lässt mich nicht daran zweifeln: Dieser Dichter ist einer der gefährlichsten in unserem Land.

Und hier nocheinmal zum Nachlesen die Grauslichkeiten des Wolf Martin. Aus der freien Enzyklopädie Wikipedia:

Im Jahr 1995 griff Martinek in zwei Krone-Gedichten massiv homosexuelle Menschen an. Am 28. Juli bezog er gegen „schwule linke Kirchenfresser“ [4] Stellung, am 10. September ortete er einen „Feldzug“ der „Linkslinken“ für „Landesverräter, Blasphemisten, für Kreuz-Entferner in den Schulen“ sowie „für Gruppen von verrückten Schwulen“ [5]. Daraufhin wurde er von einigen Mitgliedern der HOSI als ehemaliger Hosi-Aktivist geoutet. Das Nachrichtenmagazin Profil warf ihm daraufhin in einem Interview „Schwulenhetze“ vor [2] Martin dementierte das. Er habe niemals Schwule pauschal angegriffen.

Nicht nur seine Angriffe gegen Homosexuelle sorgten für Kritik an seiner Person. Für Aufsehen sorgten auch Gedichte, in denen er einzelne Künstler oder Personen öffentlichen Lebens frontal angriff: eine Polemik gegen Rudolf Scholten wurde etwa von Profil als antisemitisch beurteilt, in einem anderen Gedicht warf er Claus Peymann, Elfriede Jelinek und Peter Turrini vor, die Bühnenbretter des Burgtheaters mit „penetrantem Dreck“ zu besudeln. Kritisiert wurden auch seine Gedichte, in denen er die Migration als „sanften Holocaust“ bezeichnete, vor der „Vermischung“ der Völker warnte, Obdachlose als „lästig wie die Läus‘ und Wanzen“ bezeichnete oder – ganz im Gegensatz zu seinen Texten im FORVM – gegen Ausländer Stimmung machte.[1]

Solche pauschalverurteilende Texte brachten ihm zahlreiche Verurteilungen durch den Österreichischen Presserat ein. Für besondere Diskussionen sorgten seine Gedichte an den Geburtstagen Adolf Hitlers, am 20. April 1994 und 2001. So schrieb er 1994, er feiere „wenn man mich lässt, heut jenes Adolfs Wiegenfest, der einst in unserm schönen Land an allererster Stelle stand“ [6], womit er den ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Adolf Schärf gemeint haben will, der am selben Tag Geburtstag hat. 2001 begann er das Gedicht mit „Fürwahr, ein großer Tag ist heut, ich hab mich lang auf ihn gefreut“ und beendete es mit den Worten „Ihm sei’s zur Ehre, uns zum Heil!“. Diesmal will er sich auf die zweite Staffel der ORF-Reality-Soap Taxi Orange bezogen wissen [7].

Alles Fassade

Das Museumsquartier ist 10 Jahre alt. Zur Feier gabs einige Konzerte und eine Großbildprojektion von „Urbanscreen“ auf das Leopold Museum.

Alles auf die Fassade. Alles Fassade. Ist das MQ denn nicht auch nur ein bisschen Fassade? Könnte da nicht mehr passieren? Auf jeden Fall: Es hätte ja noch viel mächtiger ausfallen sollen. Aber wie es in Wien halt so üblich ist, wurde das eigentliche Architekurprojekt Scheibe für Scheibe demontiert. Leopoldmuseum und MUMOK wurden soweit verkleinert, dass man diese beiden Museumsbauten von außen nur mehr erahnen kann. Der Leseturm ist der „Krone“ zum Opfer gefallen, der es nichts ausmacht, dass hinter dem MQ ein absolut schiacher Flakturm steht – aber moderne Architektur verschandelt die Stadt. Klar, die „Krone“ wird den Flakturm noch brauchen. Die nächste Türken-Belagerung kommt ja bestimmt. Und dann wird Staberl höchstpersönlich an den Flak-Geschützen sitzen. Oh mein Gott.

Genug geraunzt. Das MQ ist trotzdem eine schöne Kulturinsel in Wien. Auch wenn die Kunstprojektion nur Fassade war.

Die Dicken und die Krone

Jahrelang konnte man lachen über die Bild-Text-Schere auf der Seite Eins der „Kronen Zeitung“. Da das Bild immer ein anderes Thema behandelt als die Schlagzeile drüber, ergeben sich öfters skurrile Zuschreibungen und Montagen. Fast könnte man glauben, dass diese Bild-Text-Schere mit dem heutigen Tag ausgemerzt ist. Oder ist Christoph Dichand hier nur eine ganz perfide Gestaltung der Krone-Einser gelungen?