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„Trost & Rat“: Das Ende nach 200 Folgen

200 mal hat Willi Resetarits auf Radio Wien Trost und Rat gespendet. Und nun ist diese Sendung, die im „profil“ seinerzeit als Nachfolgesendung zu Heinz Conrads ausgerufen wurde, eingestellt.  Ein Abschied mit einer großen Gala in der Tschauner-Bühne. Mit dem Stubnblues, Witzkunde vom Herrn Geheimrat, Ernst Molden und den Foischn Wienern. Viel hat Resetarits getan für die Weiterverbreitung des Wiener Schmähs, für das Kennenlernen von Wiener Mundartkultur, für das Entdecken von Wiener Musikern. Er hat uns wirklich oft Trost und Rat gespendet. Nun aber: Resetarits scheidet in Unfrieden. Holen wir doch seine Sendung zurück, belehren wir die Format-Radio-Macher eines Besseren. Unterschreibt die Petition: http://petitionen.com/p/trost-und-rat-auf-radio-wien Damit der Schokoladenwind wieder weht.

Schöner schwarzer Vogel

Wien, das ist Sehnen nach dem Tod. Der Zentralfriedhof liegt im Mittelpunkt der Stadt und nicht der Stephansdom. Keine andere Stadt bietet solch großartige morbide Delikatessen. Der Tod – er ist eine Frau: Martha Pfaffeneder ist der Todesengel. Und Paul Schwingenschlögl ist Gevatter Tod. Diese beiden erzählen Geschichten, von H.C. Artmann, vertonen Lieder neu von Ernst Molden, Georg Danzer und Wolfgang Ambros. Vor allem aber geben sie den dunkelgrauen Liedern von Ludwig Hirsch ein neues Gewand. „I lieg am Ruckn“ am Rücken liegend, man kann die Würmer förmlich spüren. Chansons, tief dunkelgraue, morbide Chansons wundervoll neu arrangiert mit Klavier, Trompete, Keyboard und einer zutiefst wandelbaren Stimme – von einer Frau die in Berlin wohnt. Und dorthin dieses unbändigende Sehnen nach dem Tod exportiert. Dunkelgrauer geht es nicht.

Legenden am Karlsplatz: „Es gibt kan Gott“, nur Göttinnen

Die Ernst Molden Allstar Band präsentierte beim Popfest Wien Legenden: Maria Bill, Willi Resetarits, Peter Henisch, Sigi Maron, Robert Räudig.

Den Song zum Sonntag spielte dabei Sigi Maron: „Es gibt kan Gott“. Räudig von „Chuzpe“ ließ Wiener New Wave aufleben und schickte sich an Marons Analyse zu widerlegen: Göttinnen würde es sehr wohl geben. Peter Henisch durfte das Wort „Tschuschen“ in den Mund nehmen – und alle verstanden den Zusammenhang und Kontext. Ganz groß: Maria Bill und Willi Resetarits im Duett bei „I mecht so gern landen„. Herr Resetarits hat sogar eine Nummer aus seiner Ostbahn-Zeit angestimmt, die für viele eine Hymne ist: „A Schritt vire, zwa Schritt zruck.“ Vielleicht sollt er sich seine Kotletten aber wieder abrasieren, er muss ja Ende August beim Ostbahn XI-Gedächtniskonzert wieder aussehen wie ein junger Rockstar.

Einziges Fragezeichen beim Auftritt der Legenden: Was machte denn Nino aus Wien auf der Bühne – und mit welchen Sachen war er bitte zugedröhnt? Einfach ein Muttertagsräuschchen.

Den meisten Applaus gab es aber, als alle Legenden gemeinsam den alten Danzer-Hodern „Ruaf mi ned an“ anstimmten. Gänsehaut. Auch einer der ganz Großen.

Ich schließe trotzdem mit Zeilen von Maria Bill:

„Vorhin no hob i des net g´spiat
hob glaubt i könnt die Welt glei griagn
jetzt spukt do irgendwas großes um mi
und i bin mitten drin a winzige Fliagn“