Musik

Bundesheer: Ab sofort wird zu Queen-Musik marschiert

Viel zu lachen gibt es derzeit wohl nicht in den Reihen des Bundesheeres. Einsparungen, Kasernenschließungen, Personalabbau. Zwar wurde die Wehrpflicht bei der Volksbefragung zur Wehrpflicht eindeutig bestätigt – doch was bisher passierte, kann man eigentlich nur als vollkommene Demontierung des bestehenden Bundesheeres bezeichnen. Doch allen Problemen zum Trotz: Am Nationalfeiertag gehört der Heldenplatz dem österreichischen Bundesheer. Und es ist immer wieder faszinierend – das Geraunze und Gejammere kann so laut sein wie noch nie, und doch strömen die Massen zur Leistungsschau. So steht die Nation wenigstens an einem Tag hinter ihrem Bundesheer. Und so konnte man auch heuer wieder Kinder auf, vor und hinter Panzern und Kanonen bewundern. Die Garde tauschte die Marschmusik gegen Musik von Queen, AC/DC und Pharrel Williams, was mehr als skurril wirkte. Vielleicht eröffnet sich hier ja ein neues Geschäftsmodell. Genau so eines ist mit dem Garde-Shop bereits eröffnet: Hier kann man unter anderem eine Mini-Holznachbildung des StG 77 erstehen – man hängt sich in Österreich ja immer gerne Waffen an die Wand.

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Ganz in Weiß…

…mit einem Blumenstrauß? Nein, der Titel sollte sich eigentlich auf den Wintereinbruch in Wien beziehen. Bei der Titelsuche bin ich gedanklich über den alten Schlager von Roy Black gestolpert – und schon ist der Ohrwurm perfekt. Damit nicht nur ich den ganzen Tag diese 60er-Jahre-Schnulze summe muss ich das Video (ganz großes Kino) nun auch hier einbauen. Einfach unter die Bilder scrollen – wer sich traut.

Aber zurück zum Thema: Schnee in Wien. Die Stadt bewegt sich noch ein bisschen langsamer, am Morgen ist es seltsam still auf den Straßen, kaum Autos auf den Straßen, das Hasten hat sich in ein langsames vorsichtiges Vorwärts-Tasten verwandelt. Die einzigen Geräusche sind von Schneeschaufeln und Eiskratzern. Ich mag diese Verwandlung in ein Winter-Wonder-Land. Schade dass bald der Gatsch regieren wird.

UPDATE: Die Wiener Linien räumen also mit der Regenbogen-Bim, siehe erstes Bild. Das nenn ich Vielfalt.

BIMBAM

 

In the MuTh

Jahrelang ist dagegen protestiert worden, nun ist er eröffnet. Der Saal der Sängerknaben mit dem Namen „MuTh“ – wie MusikTheater. Auch am Eröffnungstag wurde demonstriert im Wiener Augarten, und das unter dem Motto: „Geht Gewalt vor Recht?“ Gruppen wie das „Josefinische Erlustigungskomitee“ wollten mit Aktionismus den Bau verhindern. Ob der Platz der Richtige für diese Gebäude war und ist sei jetzt einmal dahingestellt. Und ohne jetzt genau auf Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe des Platzes am untersten Spitz des Augartens einzugehen – die Kompromisse die das Gebäude noch duckender erscheinen lassen als im Erstentwurf bestätigen eines: Kultur muss sich in Wien architektonisch verstecken. Denn eines ist den Wienern heilig: Nichts darf sich verändern! Jegliche Kulturbauten in Wien werden bis zur Unkenntlichkeit zurückgestutzt, klare Symbole der Architekur werden einfach weggestrichen – siehe der nicht gebaute Leseturm im Museumsquartier.

Interessanterweise gilt das nur für Kulturbauten in dieser Stadt. Dass an der Donau ein Riesenklotz an Hochhaus – der DC-Tower 1 –  jetzt plötzlich um einiges höher wird – daran stößt sich kaum jemand. Siegt der Kapitalismus jetzt auch gegen die Kultur?

Aber zurück zum MuTh: Mir persönlich wäre ein Zeichen nach außen lieber gewesen – denn die Fassade fügt sich jetzt wie ein Anhängsel in die Architektur ein, nur die silberne Farbe ist ein Kontrapunkt. Das ist sehr gut gelungen bei der Integration des Pförtnerhauses. Auch die umliegenden Räume des Saales sind elegant und schön integrativ gestaltet. Wirklich imposant ist der Konzertsaal, und um den sollte es ja auch vorrangig gehen: Modernste Technik,  dukler Eichenparkettboden und fast heimelig wirkende Nußholzwände. Ein Ohren- und Augenschmaus.

Ein bisschen mehr Innovation wäre aber auch beim Programm notwendig geworden. Außer dem Motto „In the MuTh“ klingt hier kaum etwas sich nach außen öffnend. Dabei täte in diesen Saal auch ein Blues-Abend gut passen. Aber vielleicht wird das ja noch: Resetarits/Molden, übernehmen Sie!

>>MuTh: Umstrittener Sängerknaben-Saal besticht mit Eleganz

Alles renkt sich wieder ein

Gustav spricht mir aus der Seele. Und mit ihr die Trachtenkapelle Dürnstein.

Symphonisch, kitschig, schaurig,  schwarz und traurig, aber immer optimistisch. Und so schön.

Irgendwann geht das vorbei.

Ich habe eine Sehnsucht, nach der nächsten Katastrophe,
denn wenn wir gemeinsam leiden, fällt dieses Unbehagen ab.
Der Zufall ließ uns weiter leben, der Überdruss ging vor der Angst,
ließ uns einander fest umklammern und hoffen, für den nächsten Tag.

Mach aus den Städten Schutt und Asche, ich will nie wieder Sonnenschein,
ein Menschenleben weg genügt nicht, es müssen Gottesleben sein.
Ich will die Kinder weinen hören, die Mütter einsam fleh’n am Grab –
und keine Vögel soll’n mehr singen, nur unsere Melodien erklingen.

Alles renkt sich wieder ein, irgendwann geht das vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser, nur durch uns’re Melodie.
Lass den Kopf nicht hängen sweetheart, es wird alles wieder schön,
halt die Ohren steif my darling und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Während die Feigen Tode suchen, der Knechtschaft Qualen wolln entgehn,
sich ängstlich in den Abgrund stoßen, wird unsre Melodie bestehn.
Wir überwinden jede Hölle, ob Hagel, Blitze, Feuer, Glut.
Verwandeln klägliches Gesänge, in Harmonie und neuen Mut.

Alles renkt sich wieder ein, irgendwann geht das vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser, nur durch uns’re Melodie.
Lass den Kopf nicht hängen sweetheart, es wird alles wieder schön,
halt die Ohren steif my darling und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Wann de Musik vuabei is

Wann de Musik vuabei is
Gibts nimma vü zum Sogn
Do steht ma ganz allaa do
Und fangt se an zum Frogn:

Hob i kriagt wos i woin hob
Oda hob i kriagt wos i vadien
Wü i des wos i kriagt hob
Oda wü i ganz woanders hin

Wann de Musik vuabei is
Is ois wos zum Sogn gibt gsogt
Dann steh i do im Finstan
Allaa mit ois wos mi obetrogt

Wü i des auf wos i gspoat hob
Oda is des genau des wos mi stiat
Wü i nua no zfriedn sei und oid wean
Oda gibts no wos des mi so richtig pockt und riat

Wann de Musik vuabei is
Wü i de Engeln singa hean
Wann de Musik vuabei is
Wü i vua Freid so richtig rean
Wann de Musik vuabei is
Wü i tanzn ois wia bled
Wann de Musik vuabei is
Wü i schrein so laut wias geht
Wann de Musik vuabei is
Wü i gspian, daß i mi gspia
Wann de Musik vuabei is
Wü i des ois zsamm nua mit dia
Wann de Musik vuabei is

(c) Kurt Ostbahn

Hier nachzuhören

Live aus dem Wiener Burgtheater, wo es am 31. 1. 2003 hieß: „Kurt Ostbahn trifft Sivan Perwer“. Im (mehr als) ausverkauften Haus am Ring trafen Kurtologinnen & Kurtologen auf die Fans des kurdischen Superstars – und dann wurde ein Fest gefeiert und zwischen den Sitzreihen getanzt.

Tricky, der Liebesbedürftige

Tricky live in der Wiener Arena mit seiner Mixed Race Tour: Wummernder Sound, harte Gitarren und ein Oben-Ohne-Tricky, den man am besten mit dem Attribut „coole Sau“ beschreiben kann. Lässig beim Intro dem Publikum den Rücken zugewandt, kettenrauchend und in das Mikro hineinhauchend. Stimmengewaltig seine Sängerin Franky Riley, die nicht nur bei „Puppy Toy“ (siehe Video unten) den Refrain laut hinausschmetterte, sondern bei „UK Jamaican“ vom neuen Album ihr Rap-Talent unter Beweis stellen konnte.

Der Meister selbst war seinen unverwechselbaren monotonen Sprechgesang in die Menge, doch von Track zu Track wachte er mehr auf – stemmte das Mikro an sein Herz und holte Leute auf die Bühne: Und nicht nur einige fesche Mädels, sondern die ganze Bühne wurde mit Konzertbesuchern vollgeräumt (wobei einige ein bisschen verloren wirkten mit den Handy-Kameras im Anschlag). Hier fetzte man dann eine punkige Version von „Ace of Space“ auf die Bühne.

Und Tricky spielte überall mit, ließ sich umarmen, ließ sich mit seinen Fans fotografieren. Später hüpfte er selbst von der Bühne in die Menge, um seine Liebesbedürftigkeit zu befriedigen. Die Zurückgezogenheit der Popstars ist tot, es lebe der Anfass-Star.

DAAU

Rote Bar, Volkstheater. Konzert von DAAU, Die Anarchistische Abend-Unterhaltung aus Belgien. Das erste mal in Österreich. Im folgenden die Nachlese eines Versuchs eines Live-Tickers vom Konzert.

Ganz in rot
Und etwas düster
Leiser jazz
Und warten
Auf die band
Warten
Auf erlösung?
Oder doch
Ein kribbeln
Des freuens…

Chello
Kontrabass
Akkordeon
Klarinette
Kein akkord zu viel
Reduziert auf das wesentlichste
Anarchistisch?
DAAU!
Jetzt
Aufbäumen des akkordeons
Klarinette hält dagegen
Aber aufeinander abgestimmt
Keine Anarchie.

Fast verweist das Set
Auf die Walzerstadt
Oder noch mehr
Auf das grantige, auf das depressive
Jetzt mit klarer bass-line
Fehlt jetzt grad nur
Der drum and bass beat
Trotzdem
Von grund auf traurig
Oder bin das heut nur ich
Und interpretier alles in diese Richtung.

Energieanfall nach depressiver Phase
Diese Band agiert bipolar.
Schön!
Trotzdem
in der Pause das Konzert verlassen
weil ich mich so fühl
wie verlassen
und auch die Weisse Bar
mit ihrer Terrasse
mich nicht aufmuntern kann

Jetzt noch ein paar Takte
Kontrabass
kontra
Bass
Erledigt!
Und jetzt? Aufräumen.
Mit allem
War ja schon Zeit.
Danke an die Belgier.