Panzer

Bundesheer: Ab sofort wird zu Queen-Musik marschiert

Viel zu lachen gibt es derzeit wohl nicht in den Reihen des Bundesheeres. Einsparungen, Kasernenschließungen, Personalabbau. Zwar wurde die Wehrpflicht bei der Volksbefragung zur Wehrpflicht eindeutig bestätigt – doch was bisher passierte, kann man eigentlich nur als vollkommene Demontierung des bestehenden Bundesheeres bezeichnen. Doch allen Problemen zum Trotz: Am Nationalfeiertag gehört der Heldenplatz dem österreichischen Bundesheer. Und es ist immer wieder faszinierend – das Geraunze und Gejammere kann so laut sein wie noch nie, und doch strömen die Massen zur Leistungsschau. So steht die Nation wenigstens an einem Tag hinter ihrem Bundesheer. Und so konnte man auch heuer wieder Kinder auf, vor und hinter Panzern und Kanonen bewundern. Die Garde tauschte die Marschmusik gegen Musik von Queen, AC/DC und Pharrel Williams, was mehr als skurril wirkte. Vielleicht eröffnet sich hier ja ein neues Geschäftsmodell. Genau so eines ist mit dem Garde-Shop bereits eröffnet: Hier kann man unter anderem eine Mini-Holznachbildung des StG 77 erstehen – man hängt sich in Österreich ja immer gerne Waffen an die Wand.

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Echte Helden am Heldenplatz?

Der Nationalfeiertag ist traditionell der Tag des Bundesheeres. Alljährlich wird am Heldenplatz eine große Leistungsschau veranstaltet  – die wohl wichtigste PR-Aktion des Heeres im Jahr. Und marketingtechnisch kann man dem Bundesheer nichts vorwerfen, da wird mit allen Mitteln das Image aufpoliert: Kinder können in Hubschrauber und auf Panzer klettern, heuer wurde ein Riesenkran aufgebaut, von dem man sich waghalsig per Bungee-Seil stürzen konnte und mit dem ein Weltrekord aufgestellt wurde, von der Hundestaffel bis zum Tauchereinsatz werden Vorführungen geboten. Der ganze Heldenplatz als Volksfestgebiet. Das streng militärische weicht einem Schulterklopfen. Und die Wiener und Österreicher strömen zu Hunderttausenden auf den Platz – wie wenn es etwas gratis gäbe.

Heiß umstritten war das Bundesheer in den vergangenen Jahren. Die Volksbefragung zur Wehrpflicht hat nicht nur die guten Seiten des Wehrdienstes beleuchtet. Trotzdem haben die Österreicher für die Beibehaltung abgestimmt, frei nach dem gut alt österreichischem Motto „Des woa schon immer so“. Am Nationalfeiertag scheint es so als seien alle Kritiker verklungen, als gäbe es keine Budgetschwierigkeiten, als wäre „unser Heer“ unumstritten. Verbeugung vor dieser PR-Leistung.

Allerdings: Kinder, die auf Kanonenrohren der Panzer herumklettern – das hat etwas zutiefst verstörendes. Die Eltern lassen ihren Kleinen heute das Kriegsspielzeug – und morgen wird wieder geschimpft, dass das Bundesheer zu viel Geld benötige für die Anschaffung von neuer Gerätschaft. Auch das ist typisch. Österreichisch.

>>Bilder von der Angelobung und vom Rekord-Bungee-Jump

Na Mädels, Lust auf eine Spritztour?

Das Bundesheer bringt allen was. So ungefähr wollten listige oder lustige Marketing-Experten den Dienst an der Waffe schmackhaft machen. Und weils Spaß macht gleich mit einem lustigen Werbespot und einem Schuss Sexismus.

Die Story des Spots ist einfach gestrickt und dürfte bei der Zielgruppe gar nicht so schlecht ankommen: Ein Edel-Prolet wird bei seinem Sportwagen von hübschen Mädels umringt und fragt: „Na Mädels, Lust auf eine Spritztour, ha?“ Mit martialischer Musikuntermalung taucht aber in diesem Moment – wie das Leben so spielt – ein Panzer aus dem Dickicht auf. Mit ach so feschen Bundesheerlern. Und die Mädels sind so derartig hingerissen, dass sie dem Panzer wie kleine Kinder nachlaufen.  Was lernt man daraus: Komm zum Bundesheer, da kann man Panzer fahren und die geilsten Schnitten damit aufreissen. Wird bei unseren Proleten ja gut ankommen.

Ungeniert hat unser aller Heer damit einen Spot aus der Ukraine einfach kopiert – wobei im ukrainischen Spot die Mädels noch um einiges fescher sind – soviel Sexismus sei mir verziehen.

Blöd für das Heer, dass die Süddeutsche Zeitung auf den Spot aufmerksam geworden ist – und bitterböse darüber berichtet: „Die Nackte Kanone – Made in Austria„. Das Bundesheer hat reagiert und den Spot von der Homepage entfernt – und er soll jetzt auch nicht im Fernsehen geschaltet werden. Immerhin: Bisher ist Österreich – zumindest was die Medien betrifft – mit Albanien verglichen worden.  Ab sofort vergleichen wir uns mit der Ukraine. Ein Fortschritt.