Reise

Zerplatzende Seifenblase in Graz

Ein borstiger Käfer? Ein UFO, das mitten in Graz gelandet ist? Oder eine Seifenblase, die zu zerplatzen droht? Ein Spiegelkabinett nach außen mit rundlichen Formen wie die meisten Steirer? Ein gläserner Igel mit stumpfen Stacheln? Oder einfach ein zerquetschter Swarovski-Kristall? Man kann viel in die Architektur der Kunsthauses in Graz hineininterpretieren. Dabei ist es ja auch ein Klangkörper. Und am Abend ein Lichtspielhaus, das Signale aussendet. Denkt doch mal nach, was es alles sein könnte.

Übrigens: Das Haus wird von seinen Schöpfern Peter Cook und Colin Fournier „Friendly Alien“ genannt – und soll sich in Form und Material bewusst von der barocken Dachlandschaft mit ihren roten Ziegeldächern abheben, schließt dabei aber an die Fassade des 1847 erbauten Eisernen Hauses an.

Über den Wolken

Wind Nord/Ost Startbahn null drei,
Bis hier hör‘ ich die Motoren.
Wie ein Pfeil zieht sie vorbei,
Und es dröhnt in meinen Ohren,
Und der nasse Asphalt bebt.
Wie ein Schleier staubt der Regen,
Bis sie abhebt und sie schwebt
Der Sonne entgegen.

Über den Wolken muß die Freiheit wohl grenzenlos sein.
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man,
Blieben darunter verborgen und dann
Würde, was und groß und wichtig erscheint,
Plötzlich nichtig und klein.

Ich seh‘ ihr noch lange nach,
Seh‘ sie die Wolken erklimmen,
Bis die Lichter nach und nach
Ganz im Regengrau verschwimmen.
Meine Augen haben schon
Jenen winz’gen Punkt verloren.
Nur von fern klingt monoton
Das Summen der Motoren.

Dann ist alles still. Ich geh‘
Regen durchdringt meine Jacke,
Irgend jemand kocht Kaffee
In der Luftaufsichtsbaracke.
In den Pfützen schwimmt Benzin,
Schillernd wie ein Regenbogen.
Wolken spiegeln sich darin.
Ich wär‘ gern mitgeflogen.

Der Ruf des Muezzin

Allerheiligen in Istanbul: Muezzin statt Kirchenglocken. Oder in Strache-Sprache: Muezzin statt Pummerin. Sehr beeindruckend sind die Gesänge, die von allen Seiten, von den unzähligen Moscheen in Istanbul schallen. Die Muslime werden fünfmal täglich zu bestimmten Uhrzeiten zum Beten zusammengerufen. Der islamische Gebetsruf Adhan ertönt in arabischer Sprache und beginnt übersetzt mit den Worten „Gott ist größer!“ (Allahu akbar).

Wir sind zwischen Hagia Sophia und der blauen Moschee von diesen Rufen erfasst worden. Allein: Das Leben, der Trubel auf dem Platz ging munter weiter.

Sehr beeindruckend: Die Hagia Sophia, die allerdings nur mehr als Museum dient:

Die Hagia Sophia (aus dem griechischen Ἅγια Σοφία „heilige Weisheit“, türkischAyasofya) oder Sophienkirche ist eine ehemalige byzantinische Kirche, spätere Moschee und heute ein Museum (Ayasofya Camii Müzesi, „Hagia-Sophia-Moschee-Museum“) in Istanbul. Als Kuppelbasilika errichtet, setzte sie im 6. Jahrhundert n. Chr. neue architektonische Akzente. Die Hagia Sophia, das letzte große Bauwerk der Spätantike, war die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und religiöser Mittelpunkt der Orthodoxie.

Im Vergleich dazu ist die Sultan-Ahmed Moschee, bekannt als Blaue Moschee gleich nebenan als Gebetshaus genutzt. Nur ohne Schuhe darf man eintreten, Frauen nur mit Schleier, und der Gebetsbereich ist tabu.

Beeindruckende Bauwerke in einer beindruckenden Stadt.

Trinidad: Arme kubanische Schweine und History-Disney-Land

Die extremste Fratze des Massentourismus hat Kuba für uns in Trinidad gezeigt: Die ehemalige Zucker-Metropole ist im bei den Kolonialbauten im Zentrum architektonisch herausgeputzt im Zuckerl-Rosa-Stil. Im ersten Moment ein schönes Städtchen mit Kopfsteinpflaster, engen Gassen. Spätestens am Plaza de Mayor aber fühlt man sich vom herausgeputzten UNESCO-Kulturerbe fast erschlagen. Die Architektur des Platzes wirkt bedrohlich süß. Am Abend neben der Kirche im Zentrum ganz erschreckende Szenen: Eine Rumba-Band, die nur für Touristen spielt und im Inneren darum fleht, von der Belanglosigkeit erlöst zu werden. Und Scharen von Polizisten, die „störende“ Kubaner auch mit nicht mal so unsanfter Gewalt entfernen. Und rund um die Uhr unterwegs: Die Touristen-Keiler, die die Touris auf Touren schicken wollen, die sie eigentlich gar nicht machen wollen. Und schon mal allein für ein Foto Kohle verlangen. Massentourismus, was machst du mit Kuba? Massentourismus, was machen wir da mit Kuba?

Aber Trinidad hat auch schöne Seiten: Ein Lokal mit Live-Musik, das einfach in Ruinen einer Villa hineingesetzt ist. Die schöne Aussicht auf das Städtchen vom Museum (mit freiem Einritt!), die Einblicke in die alten Kolonialvillen (riesengroßes Zimmer, ein alter Mann im Schaukelstuhl vor dem Fernseher, am anderen Ende des Zimmers als einzige Einrichtung ein Klavier-Flügel).

Auch sehr sehenswert: Die Einbettung des Städtchens im Karibik-Stil in die Berglandschaft von Topes de Colantes und die Sierra de Escambray. Und – ganz besonders schöne Exemplare der alten Oldtimer, die hier sehr gut mit dem Ortsbild harmonieren, sind doch viele von den alten Karren auch im Zuckerl-Stil restauriert.

Ein paar Gassen weg vom Zentrum: Staubige Gassen. Und unsere Vermieter kann man auch nicht weiterempfehlen, haben sie uns doch stundenlang auf den Schlüssel warten lassen und wollten sie uns doch einmal zu viel das Geld aus der Tasche ziehen.

Interessantes Gässchen war das aber allemal, wo wir gewohnt haben. Mit den Pferdegespannen mit Gemüselieferungen und einer Schwein-Lieferung. Das arme Schwein ist am Morgen dann erledigt worden. Und der Schweinefleisch-Geruch ist über der ganzen Gasse geleben. Und die ganze Gasse hat mitgeholfen bei der Verarbeitung. Ist ja leicht zu beobachten, weil dort alles vor dem Haus auf der Straße abläuft. Schweinefleisch haben wir aber dann doch nicht gegessen in Trinidad.

Im kubanischen Gebirge: Topes de Collantes

Über 1000 Meter erheben sich die Berge um das Gebirgsdorf Topes de Collantes zwischen dem Hanabanilla-Stausee und Trinidad auf beschwerlicher Straße mit Riesen-Schlaglöchern erreichbar – beschaulich ist das Dorf geblieben, aber es ist vom Bauerndorf zum Kurort gewachsen. Am höchsten Punkt steht ein Riesen-Kurhotel im Stalin-Stil. Rundherum viele Hotelanlagen mit verschiedensten Preisklassen. Unser Hotel war eine schöne Appartment-Anlage. Mit dem größten Gummibaum den ich je gesehen habe und ganz schlechter Live-Musik beim Abendessen. Das richtig schöne dort ist die Natur: Man geht zwar zwei Stunden über Stock und Stein hinunter zum Salto de Caburni, aber es zahlt sich aus. Erstens durch den wirklich beeindruckenden Nationalpark mit den riesigen Palmen und den vielen Eidechsen. Zweitens durch die äußerste erfrischende Bademöglichkeit ganz unten beim Wasserfall und drittens wegen der kleinen Freiluft-Bar mitten unter den Hühnern am Weg zurück in den Ort.

Ein Fußball-Irrlicht

Mitten im Zentrum von Sofia: Ein Lokal mit deutschen Spezialitäten und deutschem Bitburger-Bier (obwohl das bulgarische um einiges besser ist) und eigenem bayrischem Biergarten.

Und die Höhe: Hier residiert auch der bulgarische Fanclub für Bayern München. Unglaublich, auch Bulgaren können irregeleitet sein. Rote Karte. Und ein Hoch auf Levski Sofia.
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Reisen auf Kubanisch

Unterwegs vom Hanabanilla-Stausee zum Kurort im Nationalpark Topes de Colantes auf den Anhöhen über Trinidad. Die Straße ist mehr und mehr von Schlaglöchern übersät und mit der Beschilderung haben es die Kubaner auch nicht unbedingt. Also dem Kompass vertrauen.

Interessant sind die Reisemöglichkeiten der Kubaner im Landesinneren: Man fährt auf der Ladefläche von Lkw’s mit, Pferdefuhrwerke sind Standard, im Nationalpark sieht man auch viele Reiter hoch zu Ross – interessanterweise ausschließlich Männer. Neben der Schlagloch-übersäten Straße Schilder, die die Revolution preisen. Castro und Che allüberall. Und in den Ortschaften sitzen die Männer vor den kleinen Markthallen in der Sonne und beobachten den Straßenverkehr. So schön zum die Seele baumeln lassen.

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