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Kraft frei! Die starken Männer am Gewichtheberball

Nicht mehr wegzudenken aus dem Wiener Ballkalender ist der legendäre Gewichtheberball – im Volksmund Stemmerball – im Schutzhaus Zukunft. Dieser Ball hat vieles zu bieten: Gestartet wird mit einem Gewichtheberbewerb, veranstaltet von der Wettkampfgemeinschaft Argos/Hermann. Starke Männer, die bis zu 160 Kilo in die Höhe stemmten. Fragen wir kurz bei Wikipedia nach, wie das Gewichtheben eigentlich funktioniert:

Das Gewichtheben ist eine schwerathletische Sportart, bei der eine Langhantel durch Reißen oder Stoßen zur Hochstrecke gebracht wird. Neben der Technik sind beim Gewichtheben insbesondere Schnelligkeit, Kraft, Koordination und Beweglichkeit für den Erfolg maßgeblich.

Kräftig haben die (meisten) Athleten im Schutzhaus gewirkt – die Koordination und Beweglichkeit wurde allerdings im Laufe des Ballabends ordentlich auf die Probe gestellt. Die Band spielte sich quer durch den Gemüsegarten – und man muss jetzt ein dreifaches „Kraft frei“ für unseren Ballkoordinator anstimmen: Durch seine charmanten Anfeuerungen im Stil eines Heiratsmannes ist ordentlich Stimmung in die Bude gekommen. Da konnte sich keiner mehr an der Schnapsbar festhalten – hoch mit den Händen, Hände auf die Schultern, Polonaise (das sind diese schönen Tanzschlangen) durch den ganzen Saal getanzt.

Höhepunkt des Abends ist traditionell die um halb elf beginnende Mitternachtseinlage: Die Gewichtheber-Playbackshow, laut bejubelt, mit Polonaisen und Platz- bzw. Bühnensturm von uns begleitet. Die Stemmer haben verkleidet alles gegeben und mimten unter anderem Elvis, Falco und eine sonderbare Volksmusikband, von der mir der Name nicht und nicht einfallen will.

Einziger Wermutstropfen: Der Ballende ist viel zu früh angesetzt, wir hätten noch bis in die Morgenstunden weitertanzen können. Und einen Tadel noch an das Schutzhaus gerichtet: Wenn schon eine Schnapsbar, dann muss es unbedingt ein Gin Tonic  geben. Mit Gurke. Also für nächstes Jahr vormerken.

Wir sehn uns beim Gewichtheberball 2013. Oder beim Postlerball Ende Februar. Kraft frei!

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Kraft frei: Stoßende, Reissende Ballgesellschaft

„Kraft frei“ ist der Leitspruch der Wettkampfgemeinschaft Arge/Hermann – hier wird Stoßen und Reissen großgeschrieben. Der Gewichtheber-Sport wird verteidigt:

Mit den früheren Vorurteilen, dass Gewichtheber füllige, unbewegliche Kolosse seien, ist in den letzten Jahren schon fast völlig aufgeräumt worden. Der moderne Athletentyp verkörpert den durchtrainierten, beweglichen, elastischen und auch schnellen Sportler, der zwar über eine sehr gute Muskelentwicklung verfügt, aber doch im Anzug beispielsweise fast schlank wirken kann.

Zum vollkommenen Aufräumen von Stereotypen über die „Stemmer“ gibt es den Gewichtheberball (im Volksmund „Stemmerball“ im Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz. Die Graue Eminenz hat sich sagen lassen, dass der Ball seit Jahren legendär ist. Darum wurde die Probe aufs Exempel gemacht. Und es war verblüffend. Ein Ball mitten in Wien, der abläuft wie ein Feuerwehrball am Land. Mit dem großen Unterschied, dass es nicht um 3 Uhr früh die unausweichliche Schlägerei in der Schnapsbar gibt. Hat aber nicht weiter gefehlt.

Schon allein die Atmosphäre im Schutzhaus ist ja legendär. Ein bisschen Wiener Mief, ein bisschen Altwiener Wirtshausatmosphäre, ein bisschen Nostalgie und viel Vereinsmeierei.

Begonnen wird der Ball mit einem Stemmer-Wettkampf. Die Gewichte werden hochgerissen und -gestoßen und mit großem Krach werden sie von ganz oben auf die Bühne fallen gelassen. Nach der Siegerehrung beginnt die Tanzveranstaltung: Stimmungsmusik wie auf einem Landball. Vom „Stern, der deinen Namen trägt“ bis „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Kurz vor Mitternacht der Höhepunkt der Ballnacht: Die Athleten werfen sich von der hautengen Stemmerkluft in die Netzstrümpfe: Bei der Playbackshow treten die Stemmer als „Dr. Frank-N-Furter“, Tina Turner oder Blues Brothers auf. Den Auftritten ist eine gewisse Komik nicht abzustreiten. Und nicht umsonst setzen sich vom Publikum Tanzschlangen in Bewegung, mit dem Ziel, die Bühne zu entern und mit den stemmenden Entertainern auf den selben Brettern zu stehen.

Ein gelungener Abend, ein etwas anderer Ball. Wobei ich mich doch noch immer frage: Wo ist der Unterschied zu einem Ball in der Provinz? Positiv vermerkt sei hier: Keiner hat sich so wichtig gemacht, wie es bei Bällen am Land sonst üblch ist. Wahrscheinlich dreht sich hier alles mehr um den Wiener Schmäh, es wird weniger gestänkert. Oder ist das nur deshalb, weil man fürchtet, dass sich dann die starken Stemmer bei einem Gerangel einmischen?

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>>Und hier, verehrte Gewichtheber-Freunde, gibts die offiziellen Fotos