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„Blech“ für den ORF und das Selbstmitleid

Olympische Winterspiele in Vancouver. Wie heißt es so schön: Dabeisein ist alles. Dieser Leitspruch ist absolut nicht mehr gültig. Es zählen nur die Medaillen. Und wenn man die Medaillen so durchzählt, die von den ÖSV-Herren bisher eingefahren wurden, bleibt man unweigerlich auf Null stecken. Ein ziemliches Debakel für die „Skination Nummer Eins“, wie es der Österreichische Skiverband (ÖSV) immer darstellt. Und dann weitläufig schwadroniert über die positiven Aspekte des Gewinns von Medaillen gekoppelt an Tourismus- und Wirtschafts-Zuwächse in Österreich.

Nach der gängigen ÖSV-Lehre wird also der Wintertourismus in sich zusammenbrechen. Und auch ÖSV-Herrentrainer Toni Giger etwa dürfte schon längst den Realitätssinn verloren haben, wenn er breit grinsend Interviews gibt in denen er Analysen ankündigt. Wahr ist, dass das ÖSV-Herrenteam in dieser Weltcup-Saison so gar nicht den Erwartungen entsprochen hat. Und jetzt ganz in die Bedeutungslosigkeit abstürzt.

Und was liefert uns der ORF dazu? Keine Kritik. Nur die Mitleidsmasche. Wie es Rainer Pariasek formulierte: „Uns bleibt nichts anderes über, als den anderen zu gratulieren.“ Und hier ist das Hauptproblem bei der ORF-Berichterstattung versteckt: Die überdosierte Portion an Patriotismus, die sehr schmerzt. Scheinbar gibt es einen Nichtangriffspakt zwischen dem ORF und dem ÖSV. Immer lieb sein. Immer die Patriotismus-Karte ausspielen. Und so agressiv, dass man sich insgeheim schon freuen kann, wenn die Österreicher eine Niederlage einfahren. Hier muss ich mich – selten aber doch – Michael Fleischhacker anschließen. Diese Patriotismus-Bekundungen erinnern mich leider zu viel an „Wir sind die Heimatpartei“-Plakate der FPÖ.

Und hier will ich gar nicht einmal damit anfangen, wie nervig ein Co-Kommentator Armin Assinger sein kann, der herumplärrt wie ein Volksschüler, dem der Schmäh aber sehr schnell ausgeht bei diesen desaströsen Ergebnissen. Auch die Süddeutsche Zeitung macht sich schon lustig darüber.

Und noch einen ganz groben Schnitzer der Österreicher gab es bisher bei den Spielen: Dabei ging es um die Skibindung des Schweizer Skispringers Simon Amman, die ihm zumindest zu seinen zwei Siegen ein bissl geholfen haben, aber auch gezeigt haben, dass es in diesem Bereich noch Entwicklungsarbeit zu machen gibt. Was machten die Österreicher? Sie hatten Bindungs-Probleme: Sie protestierten, die Bindung sei nicht regelkonform. Weil: Alle sind so bös gegen uns kleine Österreicher. Eine Lachnummer für die internationale Presse. Denn: Andi Goldberger rutschte raus, dass auch die Österreicher mit ähnlichen Bindungen experimentiert hatten. Nur sie waren halt zu blöd dazu. Blöd aber auch.

(Das Bild zeigt übrigens den Schweizer Didier Cuche beim Wegtreten eines Skis im Ziel)