Tod

Morbid, Wien, Zentralfriedhof.

Allerheiligen am Wiener Zenralfriedhof. Das morbide Wien feiert sich – und wirkt fröhlich dabei: Beim Abschreiten der Ehrengräber, beim Würstelessen vor den Haupttoren, beim geschäftigen Blumenkauf bei den Marktständen. Morbides Wien und Kaiserwetter – das passt einfach zusammen.

Allerheiligen Allerheiligen

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Mord und Totschlag in Wien

An einem trüben verregneten Sonntag-Nachmittag hat es uns also ins Wiener Kriminalmuseum verschlagen. Das Museum ist im 2. Bezirk im alten „Seifensiederhaus“. Doch nur von außen schaut das Häuschen idyllisch aus. Die Kriminalgeschichte vom Mittelalter bis heute wird teils drastisch dargestellt. Formulieren wir es mal vorsichtig – das Museum präsenteirt seine Objekte nicht unbedingt im Sinne moderner Ausstellungstechnik: Die vielen zusammengetragenen Zeitungsausschnitte und Kopien von Kupferstichen sind mit schreibmaschinen-geschriebenen Erklärungsblättern versehen. Das genaue Studium ist also ein bisschen ermüdend. Nichts desto trotz sollte man aber auch starke Nerven haben, Wien ist scheinbar doch eine Stadt von Mord und Totschlag.

Schöner schwarzer Vogel

Wien, das ist Sehnen nach dem Tod. Der Zentralfriedhof liegt im Mittelpunkt der Stadt und nicht der Stephansdom. Keine andere Stadt bietet solch großartige morbide Delikatessen. Der Tod – er ist eine Frau: Martha Pfaffeneder ist der Todesengel. Und Paul Schwingenschlögl ist Gevatter Tod. Diese beiden erzählen Geschichten, von H.C. Artmann, vertonen Lieder neu von Ernst Molden, Georg Danzer und Wolfgang Ambros. Vor allem aber geben sie den dunkelgrauen Liedern von Ludwig Hirsch ein neues Gewand. „I lieg am Ruckn“ am Rücken liegend, man kann die Würmer förmlich spüren. Chansons, tief dunkelgraue, morbide Chansons wundervoll neu arrangiert mit Klavier, Trompete, Keyboard und einer zutiefst wandelbaren Stimme – von einer Frau die in Berlin wohnt. Und dorthin dieses unbändigende Sehnen nach dem Tod exportiert. Dunkelgrauer geht es nicht.