Trinidad

Trinidad: Arme kubanische Schweine und History-Disney-Land

Die extremste Fratze des Massentourismus hat Kuba für uns in Trinidad gezeigt: Die ehemalige Zucker-Metropole ist im bei den Kolonialbauten im Zentrum architektonisch herausgeputzt im Zuckerl-Rosa-Stil. Im ersten Moment ein schönes Städtchen mit Kopfsteinpflaster, engen Gassen. Spätestens am Plaza de Mayor aber fühlt man sich vom herausgeputzten UNESCO-Kulturerbe fast erschlagen. Die Architektur des Platzes wirkt bedrohlich süß. Am Abend neben der Kirche im Zentrum ganz erschreckende Szenen: Eine Rumba-Band, die nur für Touristen spielt und im Inneren darum fleht, von der Belanglosigkeit erlöst zu werden. Und Scharen von Polizisten, die „störende“ Kubaner auch mit nicht mal so unsanfter Gewalt entfernen. Und rund um die Uhr unterwegs: Die Touristen-Keiler, die die Touris auf Touren schicken wollen, die sie eigentlich gar nicht machen wollen. Und schon mal allein für ein Foto Kohle verlangen. Massentourismus, was machst du mit Kuba? Massentourismus, was machen wir da mit Kuba?

Aber Trinidad hat auch schöne Seiten: Ein Lokal mit Live-Musik, das einfach in Ruinen einer Villa hineingesetzt ist. Die schöne Aussicht auf das Städtchen vom Museum (mit freiem Einritt!), die Einblicke in die alten Kolonialvillen (riesengroßes Zimmer, ein alter Mann im Schaukelstuhl vor dem Fernseher, am anderen Ende des Zimmers als einzige Einrichtung ein Klavier-Flügel).

Auch sehr sehenswert: Die Einbettung des Städtchens im Karibik-Stil in die Berglandschaft von Topes de Colantes und die Sierra de Escambray. Und – ganz besonders schöne Exemplare der alten Oldtimer, die hier sehr gut mit dem Ortsbild harmonieren, sind doch viele von den alten Karren auch im Zuckerl-Stil restauriert.

Ein paar Gassen weg vom Zentrum: Staubige Gassen. Und unsere Vermieter kann man auch nicht weiterempfehlen, haben sie uns doch stundenlang auf den Schlüssel warten lassen und wollten sie uns doch einmal zu viel das Geld aus der Tasche ziehen.

Interessantes Gässchen war das aber allemal, wo wir gewohnt haben. Mit den Pferdegespannen mit Gemüselieferungen und einer Schwein-Lieferung. Das arme Schwein ist am Morgen dann erledigt worden. Und der Schweinefleisch-Geruch ist über der ganzen Gasse geleben. Und die ganze Gasse hat mitgeholfen bei der Verarbeitung. Ist ja leicht zu beobachten, weil dort alles vor dem Haus auf der Straße abläuft. Schweinefleisch haben wir aber dann doch nicht gegessen in Trinidad.

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Im kubanischen Gebirge: Topes de Collantes

Über 1000 Meter erheben sich die Berge um das Gebirgsdorf Topes de Collantes zwischen dem Hanabanilla-Stausee und Trinidad auf beschwerlicher Straße mit Riesen-Schlaglöchern erreichbar – beschaulich ist das Dorf geblieben, aber es ist vom Bauerndorf zum Kurort gewachsen. Am höchsten Punkt steht ein Riesen-Kurhotel im Stalin-Stil. Rundherum viele Hotelanlagen mit verschiedensten Preisklassen. Unser Hotel war eine schöne Appartment-Anlage. Mit dem größten Gummibaum den ich je gesehen habe und ganz schlechter Live-Musik beim Abendessen. Das richtig schöne dort ist die Natur: Man geht zwar zwei Stunden über Stock und Stein hinunter zum Salto de Caburni, aber es zahlt sich aus. Erstens durch den wirklich beeindruckenden Nationalpark mit den riesigen Palmen und den vielen Eidechsen. Zweitens durch die äußerste erfrischende Bademöglichkeit ganz unten beim Wasserfall und drittens wegen der kleinen Freiluft-Bar mitten unter den Hühnern am Weg zurück in den Ort.