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Der Besuch der Zeitungs-Enten

Zeitungs-Enten im Anmarsch. Laut schnatternd sind sie über den kleinen Bach angeschwommen und haben das Ufer erklommen, gleich neben unserem Garten. Dort formierten sie sich im Gänse-Marsch (oder heißt das in dem Fall Enten-Marsch?), um auf der saftigen grünen Wiese nach Nahrung zu suchen. Ein tierischer Flashmob. Nahrung für die Zeitungen. Übrigens: Wenn eine Ente online erscheint, heißt es dann trotzdem Zeitungs-Ente? Und: Die meisten Enten waren von Österreich mit Anfühungszeichen.

„Heute“ und der Halbmond

Die Geschichte ist traurig genug: „Eifersucht: Mann ersticht vor Kindergarten Ehefrau“ titelt die Gratis-Zeitung „Heute“ am 7. Dezember auf Seite 8. Was allerdings im zweiten Absatz geschrieben wird verstößt gegen jegliche journalistische Ethik. Ohne mit der Wimper zu zucken wird hier auf eine Religion hingedroschen – „In Ländern, wo das Gesäß beim Beten höher ist als der Kopf“ – und ein Eifersuchtsdrama vermischt mit religiösen Vorurteilen. Ohne übrigens etwas über den religiösen Hintergrund des Täters zu schreiben. Denn der einzige Name, der hindeuten könnte auf einen Moslem ist jener vom Polizeioberst. Sind den beiden Autoren hier die Sicherungen durchgegangen? Oder ist Verhetzung die neue Blattlinie von „Heute“? Dass der Artikel online nicht abzurufen ist, dürfte schon seinen Grund haben.

Wir fordern eine öffentliche Entschuldigung von Jörg Michner und Wolfgang Höllrigl. Außerdem wurde der Fall dem Presserat gemeldet.

UPDATE:

Christian Nusser, Chefredakteur von „Heute“ entschuldigt sich auf der Homepage von „Heute“ und schwärzt die Stellen im e-paper.
http://diepresse.com/home/kultur/medien/1321509

Stellungnahmen gibt es unter anderm von der Journalistengewerkschaft und SOS Mitmensch.

Andrea Schaffar hat auf SocioKommunikativ eine begriffliche Klärung versucht.

kraftheute

UPDATE drei Tage nach Erscheinen:

„Heute“ reagiert nach dem Wochenende mit dem Lob von Staatssekretär Kurz – laut „Heute“ lobt er „Heute“ für das Engagement beim Thema Integration. Und Chefredakteur Christian Nusser erklärt nochmals, dass schnell die Konsequenzen gezogen wurden. Was bleibt, ist ein wenig Verwunderung über die Form dieser Selbstdarstellung als Beschützer der Integration. Allerdings: Man nimmt es „Heute“ eher ab als der „Krone“. Doch das bedeutet nun auch keinen Orden für den Boulevard.

Simon Inou kritisiert Landau, Kurz und Galeli dafür schaft auf M-Media.

UPDATE sechs Tage nach Erscheinen:

Wolfgang Höllrigl dürfte vom Ressortchef zum Redakteur degradiert worden sein, er sei vorerst weiter beurlaubt. Das wurde allerdings noch nicht offiziell bestätigt.
Der Redakteur, der den Bericht recherchiert hatte, wurde verwarnt.

heutezweiteUPDATE 11 Tage nach Erscheinen:

Beim Österreichischen Presserat sind 66 Beschwerden eingegangen – das ist bisheriger Rekord.  Die Gratiszeitung ist allerdings bis dato nicht Mitglied des Presserats. Doch: Der Rat kann eine Entscheidung auch gegen Nichtmitglieder veröffentlichen, wenn es sich um eine „von grundsätzlicher Bedeutung“ handelt.

Boulevard-Urgestein Höllrigl wurde die Ressortleitung entzogen und auf einen mehrwöchigen Urlaub geschickt.

>>Mehr dazu HIER

iPad im Retro-Stil

Apple ist wieder ein Meisterstück gelungen: Schon vor der Präsentation des Tablet-PCs iPad waren die Vorschusslorbeeren groß – und obwohl das neue „Wunderding“ in Europa noch immer nicht erhältlich ist, überschlagen sich vor allem die Zeitungsherausgeber in Lobgesängen und Hymnen: Das iPad soll nämlich das Zeitung lesen revolutionieren, nach deren Meinung. Eine Zeitung 2.0 also? Sehr interessant vor dem Hintergrund, dass vor Jahren die Wichtigkeit des Internet von allen Herausgebern vollkommen verschlafen wurde bzw. es verabsäumt wurde, Bezahlmodelle zu entwickeln. Und nicht mal heute wird von den Verlagen genug Geld in die Entwicklung der Portale investiert.

Und das soll jetzt durch das simple Tablet-Gerät anders werden: Plötzlich springen alle auf die iPad-Euhorie auf, eigene Apps für das Tablet werden entwickelt. Und Apple hat die Euphorie bewusst geschürt, die Marketingfritzen wissen, wie man die Apple-Waffen am besten einsetzt.

Ich persönlich bleibe skeptisch: Vom Hype wird in einiger Zeit nicht viel bleiben. Ja, es ist ein interessantes Ding, das man da in den Händen hält. Aber ich wüsste nicht, wieso ich mir eines kaufen sollte: Da tut es das iPhone auch. Und ich hab nie nach dem Missing link zwischen iPhone und MacBook gesucht – und das soll es auch nicht sein. Und ob es das Zeitungslesen revolutionieren kann? Auch hier bleibe ich sekeptisch. Ich glaube, der Zeitungsleser wird nach wie vor das Papier bevorzugen. Investiert gehört in alle elektronische Dienste, Zeitung und deren Portale müssen mehr und mehr verschmelzen – Apps für ein jetzt gehyptes Tablet werden wohl nicht kriegsentscheidend werden.

Am meisten amüsiert beim iPad-Test hat mich das Spiel Labyrinth: Schon als Kind hatte ich ein solches aus Holz: Und das iPad hat so ziemlich die selbe Größe und durch Bewegung des Tablets kann man auf hunderten Ebenen durch verschiedenste Labyrinthe navigieren.

Ich gehöre halt zur Generation, die mit Pac Man und Donkey Kong aufgewachsen ist. Und dafür gibts im Netz endlich die richtige Erweiterung für das iPad: Es fungiert als Bildschirm für einen Mini-Spielautomaten im 80er-Jahre-Stil. Sinnlos zwar, denn das iPad reagiert auf Bewegungen des Geräts. Das macht dann den Joystick und die Feuertaste vollkommen überflüssig. Aber egal. Zumindest „Bild“ ist auf den Aprilscherz (der auch so ausgezeichnet war!) von meedia.de hineingefallen. Aber den Kollegen vom Bild-Blog kann man nichts vormachen.

Pandafieber in „Österreich“

Im Tiergarten Schönbrunn sind die Pandabären wieder übereinander hergefallen, wenn man das beim eher kargen Sexleben dieser Tiere überhaupt so schreiben kann. Jedenfalls wird schon darüber gerätselt, ob sich nach dem kleinen „Fu Long“ bald wieder Panda-Nachwuchs einstellen könnte. Der Schlagzeilen-Texter der „Tageszeitung“ „Österreich“ hat sich diesesmal wieder selbst übertroffen. Qualität kann man von diesem „Blatt“ sowieso nicht erwarten und auch der Wahrheitsgehalt vieler Geschichten ist enden wollend. Aber dafür hat man ja eine Kriegskassa, nämlich für die vielen Klagen.

Der Panda-Titel ist aber Boulevard at its best. Das stellt sogar die alten „täglichAlles“-Titel in den Schatten („Was wurde eigentlich aus Schweinchen Babe? Schnitzel!“). Aber urteilen Sie selbt.

Wollt ihr das totale Schnee-Chaos?

Alarm-Stufe Rot! Chaos! Bis zu 80 Zentimeter Schnee! Österreich versinkt im Schnee!

Diese Schlagzeilen strategisch klug über die Titelseite verteilt konnte man am Beginn des Wochenendes in der „Zeitung“ „Österreich“ lesen. Der Katastrophen-Journalismus hat hier eine Heimstätte gefunden und windet sich immer ganz quotengeil in Richtung Sensations-Journalismus.

Aber: Auch die anderen Zeitungen in Österreich hatten vor großen Schneemengen gewarnt – nicht ganz so übertrieben wie „Österreich“, aber doch. Im Endeffekt kam aber das Tauwetter, die Wetterfrösche sind daneben gelegen, das Tief „Daisy“ hat Österreich (hier mein ich allerdings nicht die „Zeitung“) verschont. Obwohl – Tauwetter war nicht in ganz Österreich – im Mostviertel, in Loosdorf waren am Samstag Abend tiefwinterliche Schneebedingungen. Gerade dort, wo man den Schnee nicht besonders gewöhnt ist.

Also wenigstens die Prognose fürs Mostviertel hat gestimmt. Um „Österreich“ aber ein bisschen zu helfen, einige Vorschläge für die nächste Schnee- und Kaltfront:

Wächtenwarnung! Eiswarnung! Schnee 3.0! Die Stadt versinkt in der größten Schneewächte des Jahrzehnts! 200 Milimeter weiße Pracht! Auch HC kann die Eisprinzen nicht stoppen! Die Kaltfront gegen den Osten ist eröffnet! Brrrrrr.