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Bunter Regenbogen: “Seid wild und tut was schönes”

Regenbogenparade in Wien. Sonne, nackte Haut, laute Beats, ein Korso “andersrum ” um den Wiener Ring – eine bunte vielfältige Demonstration gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und Transgender-Personen. Lasset die Bilder sprechen.

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Sexy Bauer

Wer kennt ihn nicht – den Jungbäuerinnenkalender und das Anhängsel davon ohne ä. Wiedermal wurde er präsentiert. Wiedermal standen junge Bäuerinnen und Bauern vor der Linse eines Fotografen, in diesem Jahr vor der Linse von Andreas Hofer. Ob die Fotos gelungen sind, darüber kann gestritten werden. Ob sich die Models dabei gut gefühlt haben, darüber kann auch gestritten werden.

Allerdings: Bei der Präsentation des Kalenders gaben sich alle äußerst überzeugt, fast euphorisch. Und schaun wir uns das mal kurz an: Schöne Bilder von Bauern und Bäuerinnen, von sehr jungen Bauern und Bäuerinnen, fast schon Lolita-haft. Der Fotograf hat erklärt, er wollte keinen Blitz verwenden, das Wetter hat das aber nicht zugelassen. Ist Blitz für ihn die Bezeichnung für Photoshop?

Wobei die Kalender-Idee sich ja schon in fast alle Bevölkerungsgruppen fortgesetzt hat. Ich warte ja schon seit längerem auf den Jung-Putzfrauen-Kalender. Aber die haben halt nur eine relativ schwache Lobby. Was es aber gibt: Den Winzerinnenkalender. Der mir ab sofort nicht mehr so ganz geheuer ist – und zwar deshalb, weil ich bei der Jungbauern-Präsentation eine Jungwinzerin-Kalenderblatt-Dame kennengelernt habe, die allerdings gemeint hat, dass sie nicht mal eine Winzerin ist, sondernd nur über einen Freund, der Winzer ist …. egal. Obwohl: Nicht egal. Wie soll Mann denn eine fesche Winzerin kennenlernen, wenn nicht mal auf den Kalenderblättern richtige Winzerinnen vertreten sind?

Was es auch gibt: Den Feuerwehrmann-Kalender. Und ich weiß auch, dass diese Feuerwehrmänner auf den zwölf Kalenderblättern für zumindest eine Person die Erotik pur bedeuten. Erotik. pur. Kalenderblatt-Erotik, in die man versinken kann. Oder sogar mehr?

Aber zurück zu den Bauern. Und bevor das Schachbrett jetzt noch für Vergleiche hergezogen wird zeig ich noch einige Bilder vom neuen Kalender. Mehr gibts bald. Auf eurem Kalender. Zum Träumen.

und weil ich jetzt nicht geizig bin, jetzt auch noch ein Bild von den jungen Bauern, Jungbauern, Sensenmännern, Sensenbauern:

>>  Und wer sich noch nicht satt gesehen hat – HIER gibt es alle Bilder.

Alle haben Sex – und wollen keine Krimi-Kinder

Einen Tag nach den Weihnachtsfeiertagen ist die Welt für “Österreich” und “Heute” wieder genauso böse wie vor Weihnachten. Und die Schlagzeilen sind wieder Pulitzer-Preis-verdächtig. Wenn es nach “Österreich” geht, werden die Straßen in Wien in den nächsten Tagen menschenleer sein, denn: Alle haben Sex. Alle! Und zwar, weil es draussen so kalt ist. Genau. Was sollte man denn auch sonst tun. Bevor einem die Finger abfrieren, hat man ja lieber Sex. Wer nicht? Wie wir alle diese “Tageszeitung” kennen, wird diese Geschichte sicher noch weitergedreht: Ich warte schon auf den Artikel “Welche Sexspiele am besten gegen die Kälte helfen” oder “Wer von unserer Redaktion mit wem…”. Zum Erschaudern.

Das zweite der drei Boulevard-Gespenster in Österreich, “Heute”, bringt sich auch gleich nach den Feiertagen in Stellung und macht Stimmung gegen Krimi. Gegen Krimi? Richtig gelesen. Sollte man jetzt keine Krimis mehr lesen? Oder kürzen die “Heute”-Macher einfach das für ihre Leser einfach zu schwer zu begreifende Wort “Kriminalität” mit “Krimi” ab? Kann man das Wort des Jahres noch schnell überdenken? Denn die Kreation “Krimi-Kind” wär doch prädestiniert dafür.

Fragen über Fragen… Diese beiden Blätter werden sie jedenfalls nicht beantworten.

“Öffentlicher Verkehr” und andere Sex-Video-Nachzieher

Die Erregung geht weiter: Auch der öffentlich-rechtliche ORF berichtete über den U-Bahn-Porno – Die Graue Eminenz hat bereits darüber berichtet. Die ZiB2  bringt das ganze leicht hechelnd unter der Schlagzeile „Öffentlicher Verkehr“. Der öffentlich-rechtliche Auftrag wurde durch das Einblenden eines schwarzen Balkens wahrgenommen. An dieser Stelle verabschieden wir uns von 3sat.

Die österreichischen Privatsender, die vom ORF immer wieder als Boulevard-TV gegeiselt werden, haben Beiträge über den U-Bahn-Porno übrigens abgelehnt.

Und was macht der heimische “Bild”-Verschnitt? “Österreich” ist sich nicht zu blöd, mit dem Sex-Video auch noch ein zweites mal aufzumachen. Diesmal präsentiert man “Die Wahrheit über das Sex-Video”. U-Bahn-Zeugen erzählen: “Sie hatten sechs Minuten Sex.”

Aber das wichtigste für das Fellner-Blatt: Man freut sich über zehn Millionen Klicks der oe24.at-User. Aber das ist noch zu wenig: “Neues Video aufgetaucht” wird erregt berichtet – und ein Video eingebettet, das dem ersten fast bis aufs Haar gleicht – außer dass es von einem anderen Handy-Kamera-Mann gemacht wurde, der ca. 20 Zentimeter neben dem “Schöpfer” des ersten Video-Werkes stand.

Vielleicht kann Österreich noch die Wiener Linien überreden, dass sie ihre Videobänder von den U-Bahn-Rundum-Kameras herausrücken. Das würde Klicks bringen!

Übrigens: In einer kleinen Spalte schrei(b)t “Österreich”: “Die ganze Welt berichtet”. Daneben abgebildet: “The Sun”, “BZ” aus Berlin und “20 Minuten”, das größte Schweizer Gratis-Boulevard-Blatt. Da fühlt sich “Österreich” in guter Gesellschaft.

Schließen wir das Thema ab und schließen wir die Klammer mit den Worten: Sex sells.

Underground-Sex

Sex sells. Neben diversen Unwahrheiten, Übertreibungen und boulevardesken Skurrilitäten setzt auch die Gratiszeitung “Österreich” immer wieder auf dieses Thema. Diesmal ist die “Österrreich”-Redaktion im Internet fündig geworden: Auf einem YouTube-Video wird ein Pärchen gezeigt, das Sex in der Wiener U-Bahn hat. Für Österreich einen Blattaufmacher wert: “Sex in U-Bahn erregt die Welt.” Ich will mir gar nicht vorstellen wie erregt die Ö-Redakteure sich das Video reingezogen haben. Den Film hat man auch ungeniert auf das “Österreich”-Portal oe24.at transferiert und wer sich doch nicht traut, dort hinzuklicken, der kann das ganze auch in Form einer Galerie ansehen.

Der Boulevard zieht also wieder einmal alle Register. Obwohl im Artikel vermerkt ist “Das Video lässt tatsächlich fast keine Fragen offen” wird das Thema ausgeschlachtet. Also holt man den Chef des Erotikmagazins ÖKM, der “den Hype um das Video erklärt”. Und die Spitze des Grotesken ist am Ende des Artikels vermerkt: “Sie waren Zeuge des Vorfalls? Kontaktieren Sie uns unter der Adresse (…)” – so will man wohl noch einige Nachzieher der Geschichte basteln. Vielleicht das Ganze nachstellen? Oder zeitgleich in allen U-Bahn-Linien Wiens?

Hier ist wohl wieder mal eine Grenze weit überschritten worden. Für die Quote wird alles gemacht (“Zehntausende sahen sich inzwischen den Film auf oe24.at an”). Vielleicht waren die beiden U-Bahn-Porno-Stars ja von “Österreich” engagiert?

“Österreich”-Chef Fellner schreckt einfach vor nichts zurück. Weils eh schon egal ist bei seinem Produkt. Glaubwürdigkeit? Ethik? Qualität? Nicht mit “Österreich”!

 

Tanzen, tanzen, tanzen mit Prince in Wien: “We gotta keep it sexy”

Funky sexy groovy. Mein zweites Prince-Konzert in der Stadthalle nach dem vor über 15 Jahren auf der Donauinsel. Und Roger Prince Nelson hat nichts von seiner Ausstrahlung eingebüßt. Die Bühnenshow ist minimalistischer geworden. Dafür hat sich seine Professionalität, seine Bühnenpräsenz weiterentwickelt. Funk is in the House.

„Ihr seid am besten Ort der Welt – in diesem Augenblick“, hauchte Prince gleich zu Beginn ins Mikro. Und grinste. Das Publikum in der nicht ganz ausverkauften Stadthalle stimmte lauthals zu.

Zuvor war er, kurz nach 20 Uhr und nach minutenlangem Intro seiner Band, langsam auf die Bühne geschritten, griff zur Gitarre und startete den beinahe dreistündigen Hit-Marathon gleich mit seinem größten Treffer: „Purple Rain“. Von da an gab es kein Halten mehr: Weder im Publikum, noch auf der Bühne. Prince, von nun an in permanenter Bewegung, legte mit „Let’s Go Crazy“ nach. Seine Fans folgten dieser mit Hüftschwung vorgebrachten Aufforderung.

Die geplante Setlist – in einigen Boulevardmedien waren schon vorab Versionen veröffentlicht worden – warf Prince vollkommen über den Haufen. Überraschte schon sein Einstieg mit der eigentlich nicht als Konzertbeginn auf der Hand liegenden Hymne “Purple Rain”, erfand er sich ab dem Motto-Song des Abends “Let’s go Crazy” vollkommen neu.

Die verschiedenen Musikgenres, die er und seine hervorragende Band beherrschen, wurden in größere Blöcke geteilt. Nach 80er-Jahre Hits wie “1999” im typischen Prince-Synthie-Stil folgten Stücke, auf denen Prince ausführliche und meisterliche Gitarren-Bluessoli ablieferte, von psychedelischen Projektionen im Stile der 70er Jahre begleitet.

Im nächsten Showteil konzentrierte sich Prince auf Soul – Höhepunkt war hier eine völlig neu als Duo interpretierte Version des Sinéad O’Connors-Hits “Nothing Compares 2U”.

Das Alter von 52 Jahren merkte man Prince Rogers Nelson dabei nie an, stets wirkte er cool, konzentriert, Herr der Lage. Er überließ für eine Umkleidepause seiner langjährigen Weggefährtin Sheila E. die Bühne – und dann ging es schneller, lauter und vor allem funkiger weiter. “We gotta keep it sexy”, lautete das Motto – hier sollte einfach nur getanzt werden. Und es wurde getanzt.

Auch auf der Bühne wurde getanzt: Prince ließ Tänzerinnen aus dem Publikum rekrutieren, die auf der Bühne mit ihm feierten, als seien sie am besten Ort der Welt. In diesem Augenblick waren sie es womöglich auch.

Insgesamt 16 Zugaben folgten: Unter anderem “Play That Funky Music”, “Controversy”, “Dance With Me In The Disco” und eine fulminante Funk-Version von “Kiss” – Prince kam für insgesamt fünf Zugabenblöcke wieder zurück auf die Bühne.

Die letzte dieser Zugaben kam für viele Zuschauer noch ziemlich überraschend – “Peach” spielte er als letzte Nummer bei schon aufgedrehtem Saallicht. Viele hatten da schon die Stadthalle verlassen. Obwohl sie gerne noch stundenlang mit Prince feiern wollten. Doch ein geplanter Club-Gig fiel ins Wasser.

>>Zur Kritik von Samir H. Köck

“Sexession”: Swinger-Club als kalkulierte Erregung

In der Wiener Secession sorgt eine Installation für Aufregung: “Raum für Sex-Kultur” nennt sich der Stein des Anstoßes – der Schweizer Künstler Christoph Büchel bespielt das Untergeschoß der Secession mit einem echten Swingerclub: Der “Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer” ist für die Dauer der Ausstellung von der Kaiserstraße in die Secession gezogen.

Ich hab mir das Ganze genauer angesehen: Wieiviel Kunst steckt hinter der Kulisse des Swingerclubs? Der erste Eindruck: Die Einrichtung dürfte 1:1 von einem bestehenden Swinger-Club übernommen sein. Büchel wollte  detailliert die Stimmung der originalen Swinger-Club-Räumlichkeiten in der Kaiserstraße herstellen. Das ist ihm laut Besitzern gelungen. Allerdings wirkt das ganze etwas steril – wie ein steriles Filmset.

Beim allerersten Blick sieht das ganze noch stimmig aus: Der große Bar/Bühnen-Bereich mit Stiptease-Stange und Rückzugs-Plüsch-Sofas in den Raumecken und das Jagd-Zimmer mit offenem Kamin (wo nur ein Fernseher statt der Glut lodert). Die “strenge Kammer” mit Andreaskreuz, Pranger und Gynäkologen-Stuhl. Die Separees, die typischen Matratzenlager mit Plüschpolstern, Spiegeln und Taschentüchern. Ledergesäumte Gucklöcher inklusive. Und der Whirlpool. Der allerdings wenig anregend mit einer Plastikplane überdeckt und außer Betrieb war.

Das Motto des Swingerclubs – “Wir schaffen Raum für Sexkultur” – ist vom Publikum am ersten Abend nicht angenommen worden. Viele schlichen durch die Separees und haben sich das Ganze “nur mal angeschaut”. Club-Besucher kritisierten die gewisse Distanz des Publikums, die in anderen Swinger-Clubs nicht zu spüren sei. Doch ist hier überhaupt intentiert, dass es “zugeht” wie in einem echten Swinger-Club? Muss man den Ansatz nicht auf einer ganz anderen Ebene sehen? Und nicht so drauf reinfallen wie die Boulevardmedien von “Österreich” bis “Heute”, die von wahren Sex-Orgien berichten, die ich aber beim besten (?) Willen nicht mitbekommen habe.

Büchel spielt auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich. Und er spielt natürlich mit dem Aufreger “Sex”. Die Reaktionen waren erwartbar.

Was erwartet man sich auch von einer Diskussion auf Puls4, bei der man Kunsthalle-Direktor Gerald Matt “Krone”-Kolumnist Jeannee gegenübersetzt. Fast ein Wunder, dass der “Krone”-Grobian da nicht von “entarteter Kunst” warnt. Er kleidet es aber in andere Worte. Immer interessant bei solchen Themen: Die Freiheit der Kunst wird frontal angegriffen. Ein Eingreifen der Politik wird gefordert. Kunst wird als “Dreck” dargestellt. Und auch das hat Büchel mit seiner Installation wieder aufgedeckt: Auch Klimt hatte damals das gleiche Problem.

“Der Zeit ihre Kunst – Der Kunst ihre Freiheit” steht an der Außenfront der Wiener Secession. Halten wir uns auch daran. Auch wenn uns die Kunst öfters ein wenig ratlos zurücklässt.

>>Alle Bilder und der Rundgang